SWR2 - Jazzprogramm September 2017
15.08.2017 21:17 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
September 2017
Freitag, 1. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Preview: Neue Jazz-Produktionen
Von Thomas Loewner
Ob als Soundfile, auf CD oder auf der guten alten Schallplatte: Der Jazz hat seinen Erfolg nicht nur dem Live-Erlebnis, sondern auch der Verbreitung über Tonträger zu verdanken. Neuveröffentlichungen spiegeln den Jazz in seiner ganzen Vielfalt. Es war die Original Dixieland Jass Band aus New Orleans, die am 26. Februar 1917 die erste Jazz-Platte der Musikgeschichte aufnahm. Der Musikstil war damals noch so jung, dass er nicht einmal einen verbindlichen Namen hatte. Im Laufe der Erfolgsgeschichte des Jazz haben sich viele Stile und Richtungen herausgebildet - sie alle haben Eingang auf Tonträger gefunden. Heute, 100 Jahre nach der Pionier-Aufnahme der Original Dixieland Jass Band, präsentiert sich der Jazz vitaler und vielfältiger denn je. Jede Woche erscheinen unzählige neue CDs. Selbst für Jazzinteressierte ist es da nicht leicht, den Überblick zu behalten. Immer freitags stellen wir Ihnen im ARD Radiofestival "Preview" wichtige Neuveröffentlichungen vor: von herausragenden Konzertmitschnitten bis zu aufwändigen Studioaufnahmen, von Produktionen großer Major-Labels bis hin zu denen kleiner Independent-Labels. All das, was die spannende Gegenwart des Jazz ausmacht. Heute präsentiert Thomas Loewner brandaktuelle Neuheiten von Markus Stockhausen, Vijay Iyer, der deutsch-britischen Band Paragon, Henry Kaiser, der ein Tribut-Album an den norwegischen Gitarristen Terje Rypdal initiiert hat, und Tim Bernes Snakeoil.
Samstag, 2. September, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer "global language" geworden. Jazz across the border hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Montag, 4. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Der Mann im Fahrstuhl
Heiner Goebbels und Heiner Müller mit Don Cherry und Fred Frith 1987 beim Art-Rock Festival in Frankfurt
Mit Daniella Baumeister
Einer radikaler deutscher Dramatiker trifft 1987 auf einen provokanten Komponisten: "Der Mann im Fahrstuhl", ein Musiktheater von Heiner Goebbels nach einem Text von Heiner Müller, den der auch selbst vorträgt, wird zur Sensation auf dem 1. Internationalen Art-Rock Festival Frankfurt 1987. Müllers surrealer Horrortrip eines kleinen Angestellten, der mit dem Fahrstuhl nur in den vierten Stock eines New Yorker Büroturms will, aber auf einem Dorfplatz in Peru landet, bietet Goebbels Möglichkeiten, den Monolog zu einem emotionalen Klangexperiment zu verfremden. Der Alptraum des verstörten Mitarbeiters wird hörbar in kreischenden Gitarren und eigenwilligen Geräuschcollagen: ein aufwändiges, sperriges und radikales Hörstück, intoniert von führenden Avantgarde-Musikern wie Fred Frith, Arto Lindsay, George Lewis, Don Cherry und anderen. Der eitle Anspruch, wieder Bewegung in eine stagnierende Musikszene zu bringen, war mit dieser, eigens für dieses Festival entstandenen Produktion gelungen - darüber war man sich damals einig.
Dienstag, 5. September, 23.30 – 24.00 Uhr
MIBnight before Midnight Das Jazzfestival 2017 der Musikerinitiative Bremen
Mit Arne Schumacher
Sie ist die älteste Jazzmusikerinitiative Deutschlands: die MIB, die Musikerinitiative Bremen. 1975 wurde sie als Zusammenschluss lokaler Jazzaktivisten ins Leben gerufen. Nach den "wilden" Jahren des Aufbruchs durchlief die MIB Phasen beträchtlicher Fortschritte, aber auch ernüchternder Stagnation. Dass sie schließlich wieder erstarkt ist, hängt mit einem gelungenen Generationenwechsel, einer gezielten Basisarbeit, aber auch mit der Sichtbarkeit in Veranstaltungen wie dem alljährlichen MIBnight Jazzfestival zusammen. Das hat seine eigene Tradition. Über die Jahre kristallisierte sich eine kompakte Festivalform heraus. Der Kern: zwei attraktiv besetzte Abende mit eng verzahnten Auftritten regionaler und auswärtiger Bands. Die Auswahl folgt keiner Dogmatik. Wichtig ist ein Höchstmaß stilistischer Vielfalt. Die reicht von "klassischen" Bop-Formen über Crossover-Konzepte bis zu frei improvisierten Begegnungen. In diesem Jahr trat zum Beispiel das international besetzte Gitarren-Trio Mural, die deutsch-holländische Band RKeT um Saxofonist Jan Klare, das JMC-Trio von Drummer Christian Klein aus Bremen und Drummer Eric Schaefer mit seinen Shredz auf.
Mittwoch, 6. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Liebeserklärung an eine Stimme
Der Trompeter Ibrahim Maalouf und die hr-Bigband huldigen der arabischen Sängerin Oum Kalthoum
Mit Jürgen Schwab
Ibrahim Maalouf, der auflagenstärkste Jazzmusiker Frankreichs, hatte sich für seine zweite Begegnung mit der hr-Bigband etwas ganz Besonderes ausgedacht. Bestand das erste gemeinsame Konzert noch aus Eigenkompositionen, stellte er nun eine Frau in den Mittelpunkt des Geschehens: die 1975 verstorbene Sängerin Oum Kalthoum. Sie genießt in der arabischen Welt einen legendären Sonderstatus, vergleichbar etwa dem von Maria Callas in der westlichen Welt. Für das Konzert des Trompetenstars mit der hr-Bigband hat Jim McNeely die rund einstündige Performance auf Orchesterformat gebracht. Die Klangfarben der hr-Bigband und das virtuose Spiel Maaloufs auf der Vierteltontrompete verbinden sich zu einer eigenwilligen Synthese aus arabischer Musik und zeitgenössischem Jazz.
Donnerstag, 7. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Saudades do Futuro, Futuro da Saudade
Das Jaques Morelenbaum Cello Samba Trio im Rolf-Liebermann-Studio des NDR
Mit Claudia Schober
Das Cello hat im Jazz bislang recht wenige Protagonisten gefunden. Nicht selten waren sie ursprünglich Bassisten - von Oscar Pettiford über Ray Brown und Ron Carter bis Lars Danielsson. Jaques Morelenbaum ist ein durch und durch improvisierender Cellist. Der Brasilianer schöpft in seinem Repertoire aus den vielfältigen Traditionen seiner Heimat. Das klingt modern und zeitlos zugleich, schließlich gehört er selbst zur Tradition: Er spielte einst im Quartett des legendären Bossa-Nova-Schöpfers Antonio Carlos Jobim. "Jedes meiner Konzerte ist ein Tribut an Antonio Carlos Jobim, aber auch an Caetano Veloso, Gilberto Gil, Egberto Gismonti und all die anderen. Aber Jobim liebe ich besonders", erklärt der sympathische Cellist mit einem Lächeln.
Freitag, 8. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Preview: Neue Jazz-Produktionen
Von Johannes Kloth
Ob als Soundfile, auf CD oder auf der guten alten Schallplatte: Der Jazz hat seinen Erfolg nicht nur dem Live-Erlebnis, sondern auch der Verbreitung über Tonträger zu verdanken. Neuveröffentlichungen spiegeln den Jazz in seiner ganzen Vielfalt.
Es war die Original Dixieland Jass Band aus New Orleans, die am 26. Februar 1917 die erste Jazz-Platte der Musikgeschichte aufnahm. Der Musikstil war damals noch so jung, dass er nicht einmal einen verbindlichen Namen hatte. Im Laufe der Erfolgsgeschichte des Jazz haben sich viele Stile und Richtungen herausgebildet - sie alle haben Eingang auf Tonträger gefunden. Heute, 100 Jahre nach der Pionier-Aufnahme der Original Dixieland Jass Band, präsentiert sich der Jazz vitaler und vielfältiger denn je. Jede Woche erscheinen unzählige neue CDs. Selbst für Jazzinteressierte ist es da nicht leicht, den Überblick zu behalten. Immer freitags stellen wir Ihnen im ARD Radiofestival "Preview" wichtige Neuveröffentlichungen vor: von herausragenden Konzertmitschnitten bis zu aufwändigen Studioaufnahmen, von Produktionen großer Major-Labels bis hin zu denen kleiner Independent-Labels. All das, was die spannende Gegenwart des Jazz ausmacht.
Dienstag, 12. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Gerd Filtgen
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe „My Favorite Discs“ regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten – warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.
Donnerstag, 14. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Mehr als sechs Saiten
Der Gitarrist Charlie Hunter im Portrait
Von Harry Lachner
Fünf plus drei: eine Gitarrenformel, die Charlie Hunter über die Jahre immer weiter perfektioniert hat. Hunter war maßgeblich an der Entwicklung einer 8-saitigen Gitarre beteiligt - wovon drei für das Bass-Spiel benutzt werden. Auf diesem Instrument, dessen Besaitung er später auf sieben reduzierte, entwickelte er eine Spieltechnik, die ihm völlige Unabhängigkeit von einem Bassisten ermöglicht. Aber der rein spieltechnische Aspekt ist nicht das Entscheidende. Der mittlerweile fünfzigjährige Charlie Hunter gestaltete über die Jahre hinweg eine ganz eigene Ästhetik, die sich zu gleichen Teil aus der Rockmusik, dem Blues wie eben auch von der Idee einer funktional ausgerichteten Improvisation inspiriert ist. Vor allem in seinen vielen Duo-Aufnahmen mit den Schlagzeugern Scott Amendola, Bobby Previte und Leon Parker eröffnet er dem Fusion-Genre ganz neue Perspektiven. Mit seiner stilistischen Flexibilität prägt er auch die fröhliche Despektierlichkeit des Quartetts Garage A Trois mit dem Saxofonisten Skerik: eine Band, die Ironie und Ernst auf höchst artifizielle Weise miteinander vermengt.
Freitag, 15. September, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Sonic Wilderness
Von Julia Neupert
Diese Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise oder Rock – für die atmosphärischen Mixes mit Neuerscheinungen gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.
Samstag, 16. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Close Harmony
Vokal-Gruppen im Jazz
Von Odilo Clausnitzer
Vokalgruppen gehörten jazzgeschichtlich nie zu den Kern-Ensembles. Dafür haben viele von ihnen auch in der Popmusik Erfolge feiern können: Swing-Formationen wie den Mills Brothers und den Andrew Sisters gelangen frühe Millionenhits. Die in den 1970-er Jahren gegründeten Manhattan Transfer gewannen Grammys sowohl in der Jazz- als auch in der Pop-Kategorie. Die ebenfalls kommerziell erfolgreichen Singers Unlimited gaben ihrem Sound durch Overdubbing und raffinierte Arrangements mitunter orchestrales Volumen. Gruppen wie Les Double Six De Paris und Lambert, Hendricks & Ross dagegen konzentrierten sich in den späten 1950er Jahren überzeugend auf die Ästhetik des Bebop und modernen Jazz. Heute verbinden Formationen wie Moss oder Tillery ein jazzgeschultes Musikverständnis mit Songwriter-Ansätzen. Die Sendung gibt einen Überblick über Vokalgruppen im Jazz von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Sonntag, 17. September,19.36 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Geschichte eines Jazz-Standards: Summertime
Von Hans-Jürgen Schaal
"Summertime" ist der bekannteste Song aus George Gershwins Südstaaten-Oper "Porgy And Bess". In Tonfall und Form erinnert er bewusst an afroamerikanische Volkslieder - kein Wunder, dass er gleich nach der Opernpremiere 1935 ein Teil der amerikanischen Folklore wurde. Alle großen Jazzvokalisten haben "Summertime" aufgenommen, Billie Holiday bereits 1936. Als Vokalstück fand der Song aber auch Eingang in andere musikalische Genres wie Pop, Rock, Gospel und Blues. Die erste wichtige, bluesig intensive Instrumentalaufnahme im Jazz schuf Sidney Bechet 1938. Danach machten viele Solisten - von Dixieland bis Free Jazz - bleibende und zum Teil aufwändige Einspielungen. Charlie Parker zum Beispiel nahm das Stück mit Streichern auf, Miles Davis mit dem Orchesterarrangement von Gil Evans. Von elementar bis raffiniert: Das zeitlose Wiegenlied "Summertime" erlaubt unendlich viele Interpretationen.
Dienstag, 19. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: The Art Of Conversation
Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2016 (5)
Mit dem Julia Hülsmann Quartett feat. Anna-Lena Schnabel
Am Mikrofon: Thomas Loewner
Den Kern des Julia Hülsmann Quartetts bildet das Trio der Berliner Pianistin mit ihren beiden Partnern Marc Muellbauer am Kontrabass und dem Schlagzeuger Heinrich Köbberling. Die drei spielen schon seit Studienzeiten zusammen. Längst hat es sich zur Tradition entwickelt, dass das Julia Hülsmann Trio Gäste einlädt, um Projekte zu realisieren. Zunächst waren es Sängerinnen und Sänger. Den Durchbruch brachte 2003 die CD „Scattering Poems“ mit Rebekka Bakken. Mit dem Trompeter Tom Arthurs erweiterte erstmals ein Instrumentalist das Trio. Die Besetzung hat sich inzwischen zu einer festen Band entwickelt. Beim Jazzfest Berlin 2016 wurde aus dem Quartett ein Quintett: mit dabei war die Altsaxofonistin und aktuelle ECHO-Jazzpreisträgerin Anna-Lena Schnabel. Eine weitere, ebenfalls sehr ausdrucksstarke Saxofonistin aus Deutschland ist Ingrid Laubrock: geboren im Münsterland, ging sie zunächst nach London und lebt mittlerweile in Brooklyn, wo sie sich fest etabliert hat. In Berlin spielte sie gemeinsam mit ihrer langjährigen Kollegin, der Gitarristin Mary Halvorson.
Donnerstag, 21. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Rhythm Is It!
Erinnerungen an die Pianistin Geri Allen
Von Michael Rüsenberg
Sie wollte inmitten von Herbie Hancock, McCoy Tyner und Cecil Taylor eine eigene Stimme finden. Das ist ihr bereits mit ihrem Debüt „The Printmakers“ (1983) gelungen. Sie war die Avantgardistin, die tanzt. Ihre Mittel: riffs, vamps, ungerade Metren, Afrikanismen, ein Anschlag von Monk´scher Trockenheit. Ethan Iverson, der Pianist von The Bad Plus, geht soweit, den Jazz in „vor und nach Geri Allen“ einzuteilen, mit anderen Worten: sie war eine große Stilistin. In ihrem Umkreis fand sich die Elite: Ornette Coleman, Wayne Shorter, Tony Williams, Charlie Haden, Steve Coleman u.a.
Im Mai noch trat sie mit Enrico Rava im „Birdland“ in Neuburg an der Donau auf, ihr letztes Konzert in Deutschland. Am 27. Juni 2017 ist Geri Allen in Philadelphia einer Krebserkrankung erlegen, kurz nach ihrem 60. Geburtstag.
Freitag, 22. September, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Sonic Wilderness
Von Ulrich Kriest
Diese Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise oder Rock – für die atmosphärischen Mixes mit Neuerscheinungen gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.
Samstag, 23. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Swinging Copenhagen
Die Danish Radio Big Band
Von Tinka Koch
Dänemark erfreute sich seit den 1950er-Jahren großer Beliebtheit bei US-amerikanischen Jazzmusikern. Dafür verantwortlich war eine liberale, jazzaffine Gesellschaft, der Jazzclub Montmarte und ab den 1960er-Jahren die Danish Radio Big Band. Gegründet wurde der Klangkörper des dänischen Radios von dessen Unterhaltungschef für den allgemeinen Radiogebrauch, aber seit Beginn gehörten einige der besten Musiker des Landes zur Big Band sowie US-amerikanische Expatriats wie der Trompeter Idrees Sulieman. Die Band beschäftige später Gastdirigenten wie Jimmy Heath oder Mary Lou Williams. Besonders geprägt hat die Band ab 1977 Thad Jones, der das Jazzorchester mehrere Jahre lang leitete. Die schönsten Aufnahmen aus dieser Zeit hören wir in der SWR2 Jazztime.
Dienstag, 26. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: The Art Of Conversation
Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2016 (6)
Mit dem Lucia Cadotsch Trio
Am Mikrofon: Nina Polaschegg
Ein Trio interpretiert Songs, Jazz Standards. Bei diesem jungen Trio wird man hellhörig, lauscht den altbekannten Melodien mit frischen Ohren. Die junge Schweizer Sängerin und ihre beiden skandinavischen Kollegen singen und spielen nicht einfach so wie man es schon hunderte Male gehört hat. Sie begeben sich auf die Suche, den alten Titeln neues Leben einzuhauchen. Schon die Besetzung ist ungewöhnlich. Kein Schlagzeug, nur Gesang, Tenorsaxofon und Kontrabass. Noch dazu nicht zwingend immer in traditioneller Funktionsaufteilung. Bass und Saxofon begleiten schon, aber sie stehen zugleich auch für sich. Man lauscht einem eingespielten Miteinander in Interaktion und klanglicher Kommunikation dreier gleichberechtigter Musiker. Zart, fast zerbrechlich und dennoch intensiv, drängend sind die Interpretationen des Lucia Cadotsch Trios, das beim Jazzfest Berlin 2016 das Publikum begeisterte.
Donnerstag, 28. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Hipster mit Haltung
Der Trompeter Avishai Cohen im Portrait
Von Günther Huesmann
Der im indischen Goa lebende israelische Trompeter Avishai Cohen gehört zu den interessantesten Jazzbläsern der Gegenwart. Geboren 1978 in Tel Aviv, musikalisch zum Meisterspieler sozialisiert in New York, hat der Mann mit dem langen Hipster-Bart Gruppen wie die von Mark Turner und Omer Avital mitgeprägt. Vor allem aber in seinem eigenen Quartett kreiert er Sounds in denen sich lyrischer Ausdruck und rhythmische Aggression kreativ die Waage halten. Cohen legt Wert darauf, dass sein Jazz, - obwohl durchweg instrumental gestaltet - immer auch für eine gesellschaftspolitische Haltung steht. Er unterstreicht das unter anderem dadurch, dass er in den Titeln seiner Stücke Bezüge zu tagesaktuellen Ereignissen herstellt, zum Beispiel in seiner Komposition "Will I Die, Miss?, Will I Die?`". Das Stück bezieht sich auf ein Video, in dem ein syrischer Junge nach einem Giftgasangriff die Krankenschwester fragt, ob er noch eine Chance aufs Überleben hat.
Freitag, 29. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Inspired by Morton Feldman
„Man In The Field“ im ZKM Karlsruhe mit Antonis Anissegos, Mathis Mayr, Dan Peter Sundland, Daniel Schröteler und Sebastian Schottke
Am Mikrofon: Julia Neupert
Im vergangenen Jahr waren der Pianist Antonis Anissegos und der Cellist Mathis Mayr für die Aufnahme von Morton Feldmans Werk „Patterns In A Chromatic Field“ im ZKM zu Gast. Während der Proben waren den Musikern rhythmische Patterns in der Partitur aufgefallen, die Inspiration für eine neue Musik darbieten und neue Räume öffnen könnten. Daraus ist nun das Quintett-Projekt Man In The Field entstanden. Dafür hat Mathis Mayr sein Cello mit verschiedenen Pedalen elektronisch erweitert und Anissegos seinen Flügel durch andere Tasteninstrumente ersetzt. Außerdem dabei: zwei Vertreter der aktuellen Berliner Improvisationsszene – der norwegische E-Bassist Dan Peter Sundland und der Schlagzeuger Daniel Schröteler. Sebastian Schottke, als fünftes Mitglied des Ensembles, bereicherte den Gesamtklang elektronisch. Nach einer einwöchigen Probenphase im Juli wurde Man In The Field im ZKM uraufgeführt.
Samstag, 30. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Brillantes Feuerwerk
Dem Schlagzeuger Buddy Rich zum 100. Geburtstag
Von Bert Noglik
Er überstrahlt die Ära der Big Bands mit unvergleichlicher Präzision, Professionalität, Perfektionismus und Drive. Der am 30. September 1917 in New York geborene Buddy Rich wusste andere Schlagzeuger das Fürchten zu lehren und den Großen des Jazz - von Louis Armstrong bis zu Charlie Parker und Dizzy Gillespie - Bewunderung abzutrotzen. Aufgewachsen in einer Künstlerfamilie, wurde er schon im Kindesalter als Star präsentiert. Zur Jazzprominenz stieg er auf, als er Anfang der 1940-er Jahre von Tommy Dorsey engagiert wurde. Später brillierte er in den Orchestern von Artie Shaw, Harry James, Woody Herman und Count Basie. Mit Unterstützung von Frank Sinatra gründete er 1946 seine erste eigene Big Band. Seine Schlagzeug-Duelle mit Gene Krupa oder Max Roach sind kaum anders als spektakulär zu nennen. In seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod im Jahr 1987 machte er mit seiner Powerhouse Band Furore. Buddy Rich gilt als Inkarnation technischer Virtuosität an den Drums und wusste Legionen von Jazz-, Rock- und Fusion-Schlagzeugern zu beeindrucken und zu beeinflussen.
Anmerkung zum Sommer-Programm
Vom 15. Juli bis zum 8. September findet wieder das ARD-Radiofestival statt. Am Abend (20.05 – 24.00 Uhr) erwartet Sie dann ein gemeinsam von den Kulturwellen der ARD gestaltetes Programm. Aus diesem Grund entfallen alle SWR2-Jazzformate, die üblicherweise in dieser Zeit zu hören sind. Stattdessen gibt es werktags von 23.30 – 24.00 Uhr eine vom SWR organisierte Jazz-Sendung mit Beiträgen von allen ARD-Jazzredaktionen.
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können Sie als Audio on Demand im Internet 7 Tage online nachhören. Auf www.swr2.de/jazz finden Sie auch Musiklisten und weitere Informationen zum Programm.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz




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