SWR2 - Jazzprogramm Oktober 2017
05.09.2017 11:29 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Oktober 2017
Donnerstag, 5. Oktober, 23.18 – 00.15 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Bert Noglik
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer Alben. In der Oktober-Ausgabe berichtet Michael Rüsenberg vom 15. Darmstädter Jazzforum und Odilo Clausnitzer rezensiert Wolfram Knauers neue Biographie über Duke Ellington.
Freitag, 6. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: La Contrebassiste
Joëlle Léandre im Portrait
Von Nina Polaschegg
Ein inneres Toben treibe sie als Künstlerin an, sagt Joëlle Léandre von sich. Und die Neigung dazu, scheinbar Gegebenes grundsätzlich zu hinterfragen. Couragiert und aufgeschlossen: So erlebt man die heute 66jährige auf der Bühne, ob als Solistin, Bandleaderin oder gefragte Improvisationspartnerin. Eine Pionierin war und ist sie in verschiedener Hinsicht: Geboren und aufgewachsen in den 1950er Jahren in Aix-en-Provence, studierte Joëlle Léandre zunächst klassischen Kontrabass am Pariser Konservatorium. Als Solistin und Mitglied verschiedener Ensembles für Neue Musik arbeitete sie unter anderem eng mit John Cage und Giacinto Scelsi zusammen, entdeckte gleichzeitig den Jazz und konzentrierte sich immer mehr auf das freie Spiel. Mit ihrer dramatischen und oft theatralischen Ausdruckskraft gehört sie seit Jahrzehnten zu den eigenständigsten Stimmen der europäischen Bass-Szene – und zu den umtriebigsten. Neben ihrer kontinuierlichen Arbeit in verschiedenen Bands, arbeitet sie immer wieder auch mit Tänzerinnen, Literaten, bildenden Künstlerinnen und Schauspielern zusammen.
Samstag, 7. Oktober, 09.05 -10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz Across The Border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 7. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Zwischen Boston und Bangalore
Der World Jazzer Charlie Mariano
Von Hans-Jürgen Schaal
Der Saxofonist Charlie Mariano (1923-2009) ist eine Symbolfigur für die Veränderungen im modernen Jazz. In den 1950er Jahren stand der US-Amerikaner als Saxofonist noch ganz unter dem Einfluss von Charlie Parker, Bebop und Cool. Mit der wachsenden Freiheit im Jazz zog es ihn dann aber in die Ferne: nach Japan und Malaysia, 1973 auch nach Bangalore in Südindien. Anfang der 1970er Jahre verlegte Mariano seinen Arbeitsschwerpunkt von Amerika nach Europa. Zwischen amerikanischem Bebop, europäischem Jazzrock und asiatischen Musiktraditionen durchlebte sein Spiel Metamorphosen, die seinen Sound und Stil einzigartig machten. Charlie Mariano wurde zu einem der individuellsten und unverkennbarsten Solisten am Saxofon.
Sonntag, 8. Oktober, 19.34 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Do Watcha Wanna
Brass-Band-Sounds aus New Orleans
Von Gerd Filtgen
Auch nach fast einem Jahrhundert haben New Orleans Brass Bands nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Sie gehören genauso zum plakativen Straßenbild wie die alten Holzhäuser im French Quarter. Unabhängig vom Mardi Gras und anderen lebensfrohen Feiertagen haben die stets für gute Stimmung sorgenden Bands immer Saison. Dafür garantieren die lässig von der Bläser-Sektion vorgestellten Themen und der unwiderstehliche, von Tuba, Bass-Trommel und zischelnden Snare-Drums ausgehende Groove, der sofort zum Mittanzen auffordert. Während die orthodoxen Bands nach wie vor hauptsächlich das Repertoire des klassischen Jazz pflegen, brachten Bands wie The Dirty Dozen Brass Band und die Rebirth Brass Band neue Elemente ein. Bei ihren Darbietungen lockert ein buntes mit Pop-Kolorit eingefärbtes Repertoire die mit vitalem Bop angereicherten Improvisationen auf.
Dienstag, 10. Oktober, 20.03 – 02.00 Uhr
SWR2 Spezial: Round About Monk
Zum 100. Geburtstag des Jazz-Genies Thelonious Monk
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Thelonious Monk gilt neben Duke Ellington als der bedeutendste und einflussreichste Komponist der improvisierten Musik. Er war Jazz-Revolutionär, Piano-Innovator und Mitbegründer des Modern Jazz in einem. Das Besondere an Monks Werk: die ungeheure Breite seiner Wirkung. Am Tag seines 100. Geburtstages feiern wir Thelonious Monk mit seinen größten Aufnahmen, darunter Diamanten aus dem SWR-Archiv und die erst kürzlich wiederentdeckten Aufnahmen zum Nouvelle-Vague-Film „Les Liaisons Dangereuses“ von Roger Vadim. Wir erfahren wie Monks unsterbliche Ballade „Round Midnight“ zu einem Klassiker wurde. In einer Lesung hören wir Julio Cortázars köstliche Schilderung eines Konzertabends von Thelonious Monk. Außerdem zeigen wir, wie fundamental Monks Musik in den Sounds von Improvisatoren des 21. Jahrhunderts nachwirkt. „Obwohl Monks Musik als Jazz kategorisiert wird, transzendiert sie die Begrenzungen von Kategorien.“, meint der Produzent Hal Willner.
Donnerstag, 12. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Formenreichtum
Das Émile Parisien Quartet und das Trio Idioma beim 5. Mainzer Jazzgespräch
Am Mikrofon: Thomas Loewner
„Die Mainzer Jazzgespräche sollen die Theorie im Dialog mit der Praxis fördern“, meinte Sebastian Sternal, Leiter der Abteilung Jazz und Populäre Musik an der Mainzer Hochschule für Musik, anlässlich der Gründung dieser Gesprächs- und Konzertreihe im Jahr 2015. In den Gesprächsrunden ging es seither um Themen wie Jazzforschung, Genderfragen oder die Bedeutung von Raum und Körperlichkeit im Jazz, jeweils abgerundet durch Konzerte ausgewählter Bands und Solisten. Beim 5. Mainzer Jazzgespräch am 16. Mai 2017 diskutierten Hans-Jürgen Linke, freier Autor und Kurator aus Gießen, sowie Claudius Valk, Saxofonist und gerade als Professor an die Uni Mainz berufen, über die aktuelle Situation und Zukunft des Jazz. Für den musikalischen Rahmen des Gesprächs sorgte das Mainzer Klaviertrio Idioma. Im Anschluss folgte ein Auftritt des Émile Parisien Quartetts. Der Saxofonist aus Paris gehört zu den führenden Vertretern der aktuellen französischen Jazz-Szene. Sein variantenreiches Spiel und die intuitive Interaktion mit seiner Band zogen das Mainzer Publikum in ihren Bann.
Freitag, 13. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Polychromatisch
Das Pianoduo Iana mit Christine Wodrascka und Betty Hovette
Von Anne Montaron
In der Sphäre der klassischen Kammermusik ist das Klavierduo eine etablierte Ensembleform. Aber im Jazz? In der improvisierten Musik? Eher die Ausnahme. Das französische „Duo Iana“ mit den Pianistinnen Christine Wodrascka und Betty Hovette ist so eine Ausnahme. Mit unterschiedlichen Einflüssen, aber einem gemeinsamen Interesse an dem Zusammenführen verschiedener Klangwelten, wollen sie im Duo an der organischen Verschmelzung ihrer Instrumente und musikalischen Identitäten arbeiten. Bevor sie am kommenden Wochenende bei den diesjährigen Donaueschinger Musiktagen erstmals in Deutschland auftreten werden, gibt diese Sendung einen Einblick in das Schaffen der beiden Künstlerinnen.
Samstag, 14. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: High Spirit
Die Kunst des Trompeters Lester Bowie
Von Gerd Filtgen
Wenn er die Bühne betrat, war ein weißer Kittel sein bevorzugtes Outfit. Sobald Lester Bowie (1941-1999) zur Trompete oder dem Flügelhorn griff und darauf die ersten Töne erklangen, konnte man sicher sein, dass darin Verweise auf die Jazzgeschichte mitschwangen, ebenso wie mitunter auch die Musik anderer Kulturen. Der Mitinitiator des Art Of Ensemble Of Chicago verstand sich ausgezeichnet darauf, seine abenteuerlichen Improvisationen mit besonderen Effekten anzureichern. Dazu gehörten die in hoher Trompetenlage kreierten Motivfolgen mit überraschenden Wendungen, oder eingängige Phrasen mit rauen Klängen zu verfremden. Außer den zahlreichen Aufnahmen mit dem Art Ensemble Of Chicago realisierte Lester Bowie spannende Sideman-Aktivitäten und hatte mit eigenen Bands wie Brass Fantasy und New York Organ Ensemble beachtlichen Erfolg.
Dienstag, 17. Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Jazz Meets India bei den Donaueschinger Musiktagen 1967
Am Mikrofon: Julia Neupert
1967 initiierte der damalige SWF-Jazzredakteur Joachim Ernst Berendt mit „Jazz Meets India“ zum ersten Mal bei den Donaueschinger Musiktagen eine Begegnung von Free Jazz und traditionell asiatischer Musik. Mit dem Schweizer Mani Neumeier hatte er für dieses Projekt einen idealen künstlerischen Leiter gefunden: Als Schlagzeuger des Irène Schweizer Trios gehörte Neumeier zu den Pionieren des europäischen Free Jazz; gleichzeitig interessierte er sich für die klassische indische Musik und war Schüler bei dem in London lebenden Tabla-Spieler Keshav Sathe. Wie sich Mani Neumeiner an den Auftritt des „Jazz Meets India“-Oktetts in Donaueschingen erinnert, erzählt der heute im Odenwald lebende Schlagzeuger in dieser Sendung, außerdem werden die Originalaufnahmen des damaligen Konzertes in Donaueschingen zu hören sein. Mit dabei: Keshav Sathe, Diwan Motihar, Kusum Thakur, Manfred Schoof, Barney Wilen, Uli Trepte, Irène Schweizer und – der damals 26jährige Mani Neumeier.
Donnerstag, 19. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Gut Holz!
Steffen Schorn, Roger Hanschel & Raschèr Saxophone Quartet und Louis Sclavis Quartet beim WDR 3 Jazzfest Gütersloh 2017
Am Mikrofon: Tinka Koch
Der Klangforscher Steffen Schorn ist einer der wenigen Europäer, die ein Tubax, ein Kontrabass-Saxofon, ihr Eigen nennen. Beim diesjährigen WDR 3 Jazzfest spielte der gebürtige Aalener im Theater Güterloh gemeinsam mit dem Saxofonisten Roger Hanschel und dem Raschèr Saxophone Quartet. Eine unglaubliche Fülle von Klängen, trotz (oder gerade wegen!) der reinen Saxofonbesetzung. Eine Legende des französischen Jazz hören wir im Anschluss: Der Klarinettist Louis Sclavis blickte in seinem Konzert in seine eigene musikalische Vergangenheit, um diese in neuem Gewand neu aufleben zu lassen. Begleitet wurde er dabei unter anderem von der Filmkomponistin und Bassistin Sarah Murcia.
Freitag, 20. Oktober, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Sonic Wilderness
Von Ulrich Kriest
Diese Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise oder Rock – für die atmosphärischen Mixes mit Neuerscheinungen gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.
Samstag, 21. Oktober, 20.03 – 22.30 Uhr
Donaueschinger Musiktage – Live
NOWJazz Session: Vive l‘improvisation!
Mit dem Duo Iana und dem Joëlle Léandre Tentet
Am Mikrofon: Julia Neupert
VertreterInnen der vitalen Improvisationszene Frankreichs stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der NOWJazz Session. In ihrem Klavierduo „Iana“ loten Christine Wodrascka und Betty Hovette höchst energetisch den polychromatischen Klangraum ihrer Instrumente aus. Dabei verdichten sie repetitive Muster zu dröhnenden Klangflächen, lösen mit abrupten Wechseln kompakte Formen in frei flirrende Improvisationen auf oder lassen allein durch einen subtilen Umgang mit Dynamik Strukturen entstehen. In ihrer Komposition „Can You Hear Me?“ hinterfragt Joëlle Léandre nicht nur stilistische Grenzen von Jazz, freier Improvisation und Neuer Musik, sondern auch den scheinbaren Kontrast von Interpretation und Improvisation. Eine Reihe kompositorischer Zellen sind eingebettet in eine durchlässige Form, die alle Beteiligten zur Mitgestaltung herausfordert und das Werk bei jeder neuen Aufführung für Verwandlungen öffnet.
Dienstag, 24.Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: The Art Of Conversation
Das Angelika Niescier / Florian Weber Quintet beim Jazzfest Berlin 2016
Am Mikrofon: Thomas Loewner
In diesem Jahr wird sie beim Jazzfest Berlin mit dem renommierten Albert Mangelsdorff Preis ausgezeichnet: Die Saxofonistin Angelika Niescier. Im vergangenen Jahr war sie mit dem Pianisten Florian Weber und ihrem gemeinsamen Quintett zum Festival eingeladen worden. Beide gehören zu den führenden Vertretern des aktuellen deutschen Jazz. Längst agieren sie dabei mit ihren Projekten nicht mehr nur auf nationaler Ebene, sondern pflegen seit längerem auch enge Kontakte zur internationalen Szene. Regelmäßig und besonders gern pendeln Niescier und Weber etwa zwischen Deutschland und New York, wo sie sich ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut haben. Für ihr Angelika Niescier / Florian Weber Quintet engagierten sie für das Jazzfest Berlin 2016 ebenfalls drei Musiker aus dem Big Apple: den Trompeter Ralph Alessi, Eric Revis, Kontrabass und Schlagzeuger Gerald Cleaver. Eine Konstellation, die auf Anhieb wunderbar funktionierte.
Donnerstag, 26. Oktober, 23.10 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Brückenbauer
Sebastian Schuster mit seiner Band Seba Kaapstad und das Christoph Beck Quartett beim Jazzpreis Baden-Württemberg 2017
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Sebastian Schuster heißt der Gewinner des diesjährigen Jazzpreises Baden-Württemberg. Beim Preisträgerkonzert, das im Juli im Stuttgarter Wilhelma-Theater stattfand, stellte der Kontrabassist, Komponist und Bandleader sein südafrikanisch-deutsches Sextett „Seba Kaapstad“ vor, das mit der Sängerin Zoe Modiga und dem Sänger Ndumiso Manana Brücken zu Soul, Pop und Weltmusik baut. Der Gewinner spielte auch in der Band des Zweitplazierten mit, Sebastian Schuster ist ein enger musikalischer Vertrauter des Saxofonisten Christoph Beck. Der feierte mit seinem Quartett einen herzerfrischend originellen Post-Bop-Jazz made in Baden-Württemberg.
Freitag, 27. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Erinnerung an die Zukunft
Afro-Futurismus gestern und heute
Von Harry Lachner
Wenn das Leben für die Schwarzen in den USA unerträglich ist, bleibt nur mehr die Flucht in den Weltraum. Das mochte sich Sun Ra gesagt haben, als er Science Fiction-Ideen mit Afro-Mythen kombinierte. Der Begriff Afrofuturismus, mit dem man diese Haltung beschreiben kann, geht aber über die Musik hinaus, umfasst literarische Zeugnisse ebenso wie Werke der Bildenden Kunst und des Films. Die utopischen Ideen des Afrofuturismus im Jazz hatten ihre Blütezeit in den sechziger und siebziger Jahren – einhergehend einem wachsenden Selbstbewusstsein der schwarzen Community, der immer noch eklatanten Trennung zwischen Schwarz und Weiß. Doch ist der Afrofuturismus nicht ein historisches Phänomen, sondern tritt in der aktuellen Musikszene wieder stärker in Erscheinung. Beispielhaft dafür sind die Veröffentlichungen der Flötistin Nicole Mitchell, die sich teilweise an den Science Fiction-Romanen von Octavia Estelle Butler orientiert – und musikalisch auch das Erbe der AACM-Kooperative aufgreift und weiterführt.
Samstag, 28. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Groovin‘ High
Dem Trompeter Dizzy Gillespie zum 100. Geburtstag
Von Odilo Clausnitzer
Initiator des Bebop, Urvater des Afro Cuban Jazz, Fackelträger der Jazztrompete und Vaterfigur für Generationen nachfolgender Musiker – all das war Dizzy Gillespie. Keiner spielte schneller, höher und kühner, als er die Szene betrat. Aber Gillespie war auch ein klug konzipierender Solist, der dem Jazz neue harmonische, rhythmische und melodische Ausdrucksmittel erschloss. Mit Ziegenbärtchen, Brille und Barrett wurde Gillespie darüber hinaus zum modisch inszenierten Aushängeschild des Bebop, später kamen als äußere Erkennungszeichen die weit aufgeblasenen Backen und der nach oben gebogene Schalltrichter hinzu. Und er war auch ein begnadeter und witziger Kommunikator und ein origineller Scat-Sänger. Seine Kompositionen wie „A Night In Tunisia“, „Con Alma“ oder „Groovin' High“ wurden zu Klassikern.
Dienstag, 31. Oktober, 19.16 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Die etwas andere Wiener Melange
Der Bassist Lukas Kranzelbinder und seine Band Shake Stew
Von Ssirus W. Pakzad
2016 erhielt der aus Kärnten stammende Wiener Bassist Lukas Kranzelbinder den Auftrag, Musik für das Eröffnungskonzert des renommierten Jazzfestivals Saalfelden zu komponieren. Der heute 29jährige orientierte sich beim Schreiben an der stilistischen Ausrichtung, für die das Festival lange stand – dort gaben sich über viele Jahre die Protagonisten der „Great Black Music“ die Klinke in die Hand. Kranzelbinder wollte den wilden, aber auch feierlichen Geist dieser Zeit wieder aufleben lassen. Seine Band „Shake Stew“ besetzte er kurios: mit einem Trompeter, zwei Saxofonisten, zwei Bassisten und zwei Schlagzeugern, die zusammen eine Musik zwischen Free Jazz, marokkanischer Gnawamusik, Gospel und selbst Schlagern spielen sollten. Die Premiere dieses Septetts wurde zum Triumpf. Schon kurz nach dem Auftritt in Saalfelden wurde „Shake Stew“ in Österreich Kult und durfte etwa im Wiener Club „Porgy & Bess“ über Monate hinweg die Stageband geben. Dort trat die Gruppe mit wechselnden Programmen und Gästen auf und zog bei jedem Konzert mehr als 400 Zuhörer an.
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können Sie als Audio on Demand im Internet 7 Tage online nachhören. Auf www.swr2.de/jazz finden Sie auch Musiklisten und weitere Informationen zum Programm.
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