Karl Seglem - Ossicles
10.10.2013 10:53 von jazz (Kommentare: 0)

NORCD10100, OZ 034 CD ozella
„Norskjazz no“ oder „norwegischer Jazz“ hatte der Saxophonist Karl Seglem eine frühere CD genannt. Der Künstler, der auch Goat Horns (Ziegenhörner) spielt und in seinen Gruppensound die Hardanger Fiddle integriert, weitet den Klangkosmos ständig aus, überschreitet Stilgrenzen und bleibt in allem doch in der Folklore seiner norwegischen Heimat tief verwurzelt.
Auf seiner neuesten CD „Ossicles“ verbindet er die skandinavische Folk-Tradition mit der verwandten gälischen Melodik und Rhythmik etwa in „Det Siste Norske Trolet“, bezieht aber auch fernöstliche Motive und Harmonien mit ein, wenn er eine Komposition den pakistanischen Musikern Saghir Ali und Mohammad Ashger widmet, oder er nimmt Anleihen in Westafrika auf bei „The Ornes Song“. Dazu hat Der Bandleader zu seinem eh schon außergewöhnlichen Instrumentarium rundet die Klangfarben mit der westafrikanischen Ngoni und dem Antilopenhorn ab und hat gleich drei Percussionisten geholt.
In dieser Melange aus Reggae-Rhythmen, pakistanischen und afrikanischen Metren, allesamt auf der Grundlage skandinavischer und gälischer Folklore und eingebettet in Elektronik, wirkt nichts aufgesetzt oder fremd. Alles ist stimmig zu einem Gesamtklang verschmolzen, der ins Ohr geht – ganz so wie es der Titel Ossicles oder „Gehörknöchelchen“ verspricht. Ohne diese drei kleinsten Knochen des menschlichen Körpers im Mittelohr wäre der Mensch kaum zum Hören fähig. Dass Seglem paradoxerweise in der nordischen Kühle Emotionen glühen lässt, ist wohl das Geheimnis der assoziativen Kraft und Direktheit, mit der seine Musik anspricht. Er habe bei den Aufnahmen magische Momente erlebt, sagt Seglem. Diese Magie und Mystik teilt sich dem Zuhörer mit und lässt ihn nicht wieder los.
(km)


